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„Wir wollen der beste Verein im Tösstal werden”


Der Fussballclub Kollbrunn-Rikon macht als kleinster Verein bei Quality Club vom Schweizerischen Fussballverband mit. Das grosse Ziel: bester Club im Tösstal zu werden.


Die Kleinsten wollen die Grössten werden: Der FC Kollbrunn-Rikon (FCKR) nimmt seit vergangenem August am Quality-Programm des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) teil. Mit dem Label «Swiss Quality Club» zeichnet der SFV erstmals Vereine für ihre vorbildliche Vereinsführung aus. Mit rund 170 aktiven Mitgliedern zählt der FCKR die wenigsten Mitglieder; grössere Vereine wie der SV Muttenz, die am Programm teilnehmen, haben bis zu 1100 Mitglieder. Von diesem Grössen-unterschied lässt sich der Vorstand um Matthias Hofmann (Kassier und Materialwart) und seinem Vater, Hanspeter Hofmann (Junioren) Jimmy Weiss (Spielkoordination) und Benjamin Ehrismann (Events) aber nicht abschrecken. «Unser Ziel ist klar: Wir wollen der beste Verein im Tösstal wer-den», sagt Jimmy Weiss.


Potenzial nicht ausgeschöpft

Darum hat man sofort auf das Mail das SFV reagiert, als dieser im Jahr 2023 Vereine für das Pilot-projekt suchte. Denn der FCKR habe Potential, dass bislang zu wenig ausgeschöpft wurde. Den Grund dafür sieht die Vereinsleitung in der Vergangenheit: «Wir blicken beim FCKR aufgrund vieler Wechsel im Vorstand auf teilweise turbulente Jahre zurück, die unserem Ruf schädigten», sagt Jimmy Weiss, «das Ruder haben wir schon vor zwei Jahren herumgerissen. Seit damals unter-stützt der Vorstand in der heutigen Zusammensetzung den Präsidenten Silvio Fernandes, der vor-her alle Aufgaben allein gestemmt hat.» Man sei man auf gutem Weg, wie die Rückmeldungen der Anspruchsgruppen zeigen, aber: «Wir haben noch viel zu tun. Das wissen wir nicht erst, seit wir beim Swiss Quality-Programm mitmachen. Vielmehr hilft uns die professionelle Unterstützung vom SFV, unsere Schwachstellen anzugehen und ein Fundament zu schaffen, dass unseren Verein in die Zukunft trägt», fasst Matthias Hofmann zusammen.


Infrastruktur ausbaufähig

Das Projekt des SFV ist in drei Stufen aufgeilt: Am Kick-off, das im März 2023 stattfand, wurden mittels einer SWOT-Analyse die Situation der einzelnen Vereine angeschaut. Eine Stärke des FCKR ist klar: Die sportlichen Werte wie Teamgeist, Fairplay und Disziplin werden bereits gelebt. Dass das auch Aussenstehende so wahrnehmen, zeigte die Umfrage mit 96%-iger Rücklaufquote, die der Vorstand im April 2023 bei seinen Mitgliedern durchgeführt hat. «Mit der Umfrage haben wir ausgelotet, woran wir arbeiten müssen. Wie uns bereits bewusst war, muss unter anderem die Inf-rastruktur verbessert und ausgebaut werden. So fehlen uns etwa Garderoben», sagt Jimmy Weiss. Er spielte wie die anderen Vorstandsmitglieder selbst schon von Kindsbeinen an im Verein und erin-nert sich: «Die Garderoben stammen noch aus den 80iger Jahren, als der Fussballverein Rikon und Kollbrunn fusionierten. Seit damals wurde nichts mehr gemacht – da erstaunt es nicht, dass Handlungsbedarf besteht.» Dennoch können bereits erste Erfolge verbucht werden. So wird dem-nächst der seit längerer Zeit schief sehende Ballfänger saniert und die Lichtanlage verbessert.


Sprungbrett in höhere Ligen

Aktuell leitet der Vorstand aus der SWOT-Analyse eine Strategie für den FCKR ab und erstellt bis Ende Jahr entsprechende Konzepte. «Wir können uns beispielsweise vorstellen, die Eltern mehr einzubinden oder den Frauen- und Mädchenfussball zu fördern. Grundsätzlich soll der FCKR ein Sprungbrett für stärkere Spieler in höhere Ligen zu werden – dass das Interesse im Tösstal da ist, wissen wir aus eigener Erfahrung», sagt Hanspeter Hofmann. Danach folgt die Umsetzungsphase, in der die zuvor erarbeiteten Konzepte umgesetzt werden. Besteht nicht die Gefahr, unnötige Pa-piertiger zu produzieren? «Weil die administrativen Prozesse bis jetzt nicht klar geregelt sind, haben wir im Vorstand regelmässig einen grossen Mehraufwand. So wurde etwa bei Wechseln im Vor-stand das Wissen nicht seriös weitergegeben und jedes Mal ging Knowhow verloren», erklärt Matthias Hofmann, «Darum besteht keine Gefahr, dass wir Papiertiger produzieren, im Gegenteil. Die Teilnahme ist darum auch nicht ganz uneigennützig: Wir investieren jetzt zwar viel Zeit in «Swiss Quality», hoffen aber langfristig, unseren Aufwand zu verringern.»


Profitieren von Erfahrungen anderer Vereine

Bereut hat der Vorstand die Teilnahme denn auch kein einziges Mal. «Man merkt, dass die Exper-ten vom SFV grosse Ahnung haben – die wissen, wovon sie reden», sagt Hanspeter Hofmann und fügt schmunzelnd an: «Sie profitieren auch von uns Vereinen und lernen im Pilotprojekt dazu. Immer wieder erfahren sie von an der Basis, über die sie noch keine Kenntnis hatten.» Bereits habe man zum Beispiel gute Inputs zur Erstellung und Umsetzung von Leitbildern erhalten und gewinne dank dem neuen Netzwerk Wissen: «Wenn zum Beispiel der FC Stäfa schon ein Leitbild entwickelt hat, können wir uns jetzt austauschen und deren Erfahrungen nutzen», so Jimmy Weiss. Läuft alles nach Plan– und dafür sorgt der engagierte Vorstand ohne Zweifel – wird anfangs 2024 das Zertifikat vom Swiss Quality Club überreicht. Auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist, weiss der Vor-stand jetzt schon: «Das werden wir auf jeden Fall gross feiern, um zu zeigen, dass wir mit dem FCKR in eine erfolgreiche Zukunft starten.»


Der SFV Swiss Quality Club hat zum Ziel, Vereine zu fördern und wurde vom SFV gemeinsam mit den Abteilungen Erste Liga und Amateurliga, den 13 Regionalverbänden und dem Bundesamt für Sport (BASPO) ins Leben gerufen. 25 Vereine aus der ganzen Schweiz machen im Pilotprojekt mit. Das Label «SFV Quality Club» soll als besonderer Ansporn dienen, um die Cluborganisation weiter zu verbessern, das ehrenamtliche Engagement im Verein zu stärken sowie wichtige Entwicklungs-themen wie den Mädchen-/Frauenfussball oder den «Spirit of Football» zu fördern. Dies erfordert nicht nur sportliche und unternehmerische Kompetenzen, sondern auch zwischenmenschliche Fä-higkeiten und Werte. Gelingt das Pilotprojekt, soll es auf weitere Vereine ausgedehnt werden.

Artikel geschrieben von: Fabienne Würth

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